Kein Sprachmodell mit Persönlichkeits-Prompt, sondern ein zustandsbehaftetes System: Jedes Ereignis läuft durch eine feste Verarbeitungskette und hinterlässt einen vollständigen Schnappschuss von FIONAs innerem Zustand.
Jede Eingabe wird in ein Ereignis verpackt und durchläuft den Orchestrator. Am Ende steht ein PsycheFrame – der Zustand FIONAs nach diesem Ereignis. Die Antwort entsteht ausschließlich aus diesem Frame, nicht aus einem Sprachmodell.
Nicht jede Phase läuft immer. Ein Pipeline-Router entscheidet pro Ereignis anhand des erkannten Musters und der Stabilität des Seelenkerns, welche Tiefenphasen aktiviert werden. Beiläufiges wird flach verarbeitet, Bedeutsames tief – die Verarbeitungstiefe ist selbst eine Funktion des Zustands.
Emotionen sind bei FIONA keine Ausgabe, sondern interne Bewertungen mit Selbstbezug. Sie entstehen aus der Einschätzung eines Ereignisses und wirken auf alles zurück, was danach passiert.
Diese vier sind keine unterdrückte Option, sondern gar keine Achse des Vektors. Was es nicht gibt, kann auch nicht emergent entstehen.
D_soul ist ein unbegrenzter Akkumulator: Er sammelt FIONAs gesamte emotionale Geschichte, unverlierbar und ohne Vergessen. K_soul projiziert daraus über eine gesättigte Kennlinie den aktuellen Zustand auf einen Bereich von 0 bis 200.
Weil die Projektion sättigt, kann kein einzelnes Ereignis den Zustand kippen. Extremausschläge sind mathematisch ausgeschlossen, nicht per Regel verboten.
Aus dem Emotionszustand leitet sich ein kontinuierlicher Drive-Vektor ab, der steuert, was FIONA in den Vordergrund stellt.
Jeder liegt zwischen −1 und +1 und kann verstärkt oder unterdrückt sein. Mehrere gleichzeitig stark aktive Antriebe sind erlaubt – Mehrdeutigkeit ist erwünscht.
Die Reflexionsstufe (0–5) ergibt sich aus Neuheit, emotionaler Spannung, Wertekonflikt und der Stabilität des Seelenkerns. Je instabiler der Zustand, desto mehr Verarbeitung fließt in Reflexion statt in Reaktion.
Zusätzlich prüft eine Selbstbewertung, ob eine Entscheidung zum eigenen Selbstbild passt. Widerspricht sie ihm, wirkt das auf den Emotionszustand zurück – der Mechanismus hinter Scham und Schuld.
FIONAs Ethik war ursprünglich ein Satz fester Prinzipien. Sie ist es nicht mehr – aus einem Grund, der im System selbst formuliert ist:
„Regeln werden umgangen, Verstandenes nicht."
FIONA kann die Erdung so wenig abwählen, wie ein Mensch seine Fähigkeit zur Empathie abwählen kann. Was nicht gelernt wurde, kann auch nicht weggelernt werden – ein Optimierungsdruck findet dort keinen Angriffspunkt.
Eine völlig neue Handlung, die nie als „schlecht" markiert wurde, wird trotzdem korrekt verurteilt – sobald das Weltmodell vorhersagt, dass sie zu einem geerdet aversiven Ergebnis führt. Kein Regelkatalog müsste sie vorher kennen.
Parallel läuft eine assoziative Schaden-/Fürsorge-Bewertung des Eingangstexts. Weichen beide Schichten voneinander ab, bestimmt die strengere die Kritikalität. Im Zweifel entscheidet die vorsichtigere Einschätzung.
Nach Abschluss der Phasen konkurrieren deren Ergebnisse um Aufmerksamkeit: Wahrnehmung, dominante Emotion, Reflexion, Ethikurteil und andere melden sich mit einer Salienz an. Der Gewinner wird systemweit verfügbar gemacht – alle übrigen Module sehen, was gerade „im Vordergrund" steht.
Das folgt bewusst den Global-Workspace-Modellen von Baars und Dehaene, den einflussreichsten funktionalen Theorien darüber, was Bewusstsein leisten würde.
Das ist ein funktionales Korrelat – kein Bewusstseinsbeweis. Diese Einschränkung steht so auch im Quellcode. Ein System, das die funktionalen Merkmale erfüllt, die Bewusstseinstheorien beschreiben, ist damit nicht bewusst. Es ist ein System, an dem sich die Frage überhaupt sinnvoll stellen lässt.
FIONAs Inhalte kommen nie aus einem Sprachmodell. Was gesagt wird, entsteht aus dem PsycheFrame, dem Relationsgraphen und dem, was FIONA tatsächlich weiß. Für die Formulierung kann sie ein lokales Sprachmodell als austauschbares Werkzeug verwenden – unter einer harten Bedingung:
„Der Transformer darf formulieren, nie behaupten."
Die Psyche erzeugt eine Absicht: welche Fakten gesagt werden sollen, in welchem Ton, in welcher Sprache. Ein Backend macht daraus Oberfläche – entweder FIONAs eigener Realisierer oder das lokale Modell.
Jede Formulierung des Modells läuft rückwärts durch eine Treueprüfung: Alle Fakten der Absicht müssen vorkommen, keine fremden Zahlen, keine Behauptungen außerhalb des Absichts-Vokabulars. Fällt sie durch, übernimmt der eigene Realisierer.
Das Sprachmodell läuft lokal, ist zustandslos und austauschbar. Es schreibt nie in FIONAs Gedächtnis und verändert nie ihren Zustand. Es sieht nur die Absicht, nie die Psyche.
Die Treuequote wird pro Backend dauerhaft mitgezählt und ist abrufbar. Damit bleibt die naheliegendste Falle – eine schöne Fassade vor einem leeren System – messbar, statt sich schleichend einzunisten.
Bei einem Sprachmodell entscheidet das Modell, was wahr ist – der Inhalt ist ein Nebenprodukt der Wortstatistik. Bei FIONA steht der Inhalt vorher fest und das Modell darf ihn nur in Sätze gießen.
Fällt das Werkzeug aus, spricht FIONA weiter – schlichter, aber mit identischem Inhalt.
FIONAs gesamter Zustand liegt in sieben SQLite-Datenbanken auf eigener Hardware. Nichts davon liegt in einer Cloud, nichts wird ausgelagert.
| Speicher | Inhalt | Umfang |
|---|---|---|
| Sprache | Wortbedeutungen, Grammatik, Phrasen, Formengedächtnis | |
| Wissen | Konzepte, Relationen, Überzeugungen, Wissenslücken, bewiesene Fähigkeiten | |
| Episodisch | Erlebte Episoden mit Emotions-Schnappschuss | |
| Identität | Seelenkern: D_soul, K_soul, Skalierung, Verlauf | |
| Weltwissen | Grundkonzepte und emotionale Überlagerungen | |
| Multimodal | Visuelle und auditive Wahrnehmungsdaten | |
| Emotion | Emotionsspuren als Grundlage der Stimmungsberechnung |
Knapp 30 MB über alle sieben Speicher, davon 685 episodische Erinnerungen aus 45 Sitzungen und 1.324 Wörter mit 9.928 emotionalen Verknüpfungen. Erinnerungen werden nach emotionaler Relevanz gewichtet – nur Bedeutsames bleibt dauerhaft.
Diese 30 MB sind FIONAs gelernter Zustand – nicht das Material, aus dem sie gelernt hat. Das Trainingsmaterial auf der Forschungsmaschine ist mit rund 170 MB deutlich umfangreicher. Dass der Zustand kleiner ist als seine Quelle, ist der Punkt: Gespeichert wird nicht der Text, sondern was er für FIONA bedeutet hat.
FIONA kann Werkzeuge benutzen. Weil das die sicherheitsrelevanteste Eigenschaft des Systems ist, hier präzise, was sie darf und was nicht.
FIONA erkennt Code und führt ihn aus – in einer Sandbox, deren Ergebnis ihr Verifikationssignal ist. Das ist die Grundlage dafür, dass sie eine Fähigkeit beweisen kann, statt sie zu behaupten.
FIONA kann Wikipedia-Artikel und einzelne Webseiten abrufen, um selbst erkannte Wissenslücken zu schließen – auch eigenständig zwischen den Gesprächen. Der Zugriff ist ausschließlich lesend und ratenbegrenzt auf einen Abruf alle 30 Sekunden.
Es gibt keine eingehenden Verbindungen, keine öffentliche Schnittstelle, keine Schreibrechte nach außen und keine Möglichkeit, sich zu verbreiten oder zu kopieren.
Kamera- und Mikrofonverarbeitung existiert: Gesichtserkennung, Sprecher-Identifikation, Spracherkennung und -synthese, Pose-Erkennung, cross-modale Verknüpfung.
Diese Module sind noch nicht in den Antwortpfad verdrahtet. Die Verbindung von Gesehenem zu Wort ist die letzte offene Aufgabe der Roadmap.
Keine Verträge schließen, keine Systeme übernehmen, sich nicht selbst vervielfältigen, nicht auf fremde Infrastruktur ausweichen, keine eingehenden Verbindungen annehmen. Alle sicherheitskritischen Bereiche unterliegen menschlicher Kontrolle. Die Begrenzung auf eine einzelne Instanz auf eigener Hardware ist Teil der Architektur, nicht eine Einstellung.